Alkoholismus … Selbstmord auf Raten
Im Moment ist auf Arbeit die Hölle auf Erden. Viel Pflege von Nöten. nicht nur die lieben Omis, die es nimmer so richtig gebacken bekommen, sondern auch die unangenehmen. Delir, unklarer Genese, mit einkacken einstuhlen ohne Ende. Oder Korsakow-Syndrom, mit völliger Desorientierung. Aber auch gern mal ne wahnhafte Depression.
Jeder der Fälle ist ne Geschichte für sich, aber am schlimmsten ist das Korsakow-Syndrom. Ums kurz zu erklären, daran ist wohl Harry Juhnke abgenibbelt. Das Ergebnis von lebenslangem Alkoholmißbrauch. Beginnt langsam aber unumkehrbar. Es ist erschreckend wie sich ein denkendes Wesen, bewusst, so auf Raten zugrunderichtet. Grundsätzlich kann ich das verstehen, in Ansätzen. Es bleibt ne Suchterkrankung. Wobei mir wichtig ist, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, auch wenn oft geringschätzig über dieses Klientel geredet wird.
Ich erkenne an mir auch Wesenszüge die mir bestätigen, dass ich durchaus suchtanfällig bin. Man nehme mal den PC. Wenn der plötzlich kaputt wäre … Mir würde stark was fehlen. Trotzdem halte ich mich für so stark, dass ich das überwinden würde. (Eigentlich auch ein Zeichen für Sucht
) Aber es ist ja auch net wirklich lebensbedrohlich.
Ganz anders mit dem Alkohol. Eine (legalisierte Droge), die mit Abstand den meisten Schaden im Körper anrichtet und am schwersten zu entziehen ist (Krampfanfälle, unkontrollierbares Zittern, hoher Blutdruck, Delir). Kurz dahinter sehe ich Heroin und Methamphetamin. Zumindest nach meiner (noch relativ wenig) Erfahrung.
Diese Droge wird von der Gesellschaft absolut akzeptiert und auch beworben. Kiffen aber verboten. Wo ist da die Relation? Dann doch bitte beides. Eigentlich unvorstellbar. Die Einnahmen der Alkoholsteuer sind ein Furz, verglichen mit den Ausgaben im Gesundheitswesen, aufgrund von Alkohol. Sogar Kinder gehören inzwischen zum Klientel bei Alkoholentzügen. (Nicht bei uns.) Ein Pat. von mir hat schon mit 12 Jahren regelmäßig Bier getrunken. Was das für Folgen für seine Hirnentwicklung hatte war unfassbar. Sowas abgeflachtes, in sich zurückgezogenes hat man selten gesehen. Der war jünger als ich. Und der hatte sein Leben noch vor sich. Da war aber eigentlich schon Endstation.
Aber am schlimmsten ist das Endstadium. Die Leber liegt in den letzten Zügen. Die Laborwerte (Blutwerte) explodieren. Der Pat baut körperlich stark ab, im Kopf hat er höchstens noch ne trockene Semmel. Diese Leute können nicht mehr alleine essen. Sind zeitlich (Welches Datum, Monat, Jahr, Jahreszeit haben wir heute?), örtlich (In welcher Stadt, Land, Straße, Gebäude sind wir?) oder zur Situation (Warum bin ich hier?) auch nur ansatzweise orientiert. Es ist erschreckend wie klein da die Halbwertszeit von Gesprächen ist, oder wie schnell Stimmungen umschlagen können. Eben noch der Kneipenkumpeltyp jetzt schon der aggressive Kerl der hier raus muss. Und das soll ich immer anschätzen können! Oder wie erkläre ich ihm das er hier ist, weil ich sich, salopp gesagt, blöd gesoffen hat? Schwere Gespräche für mich.
Natürlich ist das auf einer Seite schon auch mal witzig, aus nem bestimmen Blickwinkel, aber das soll der Pat. natürlich nicht merken. Antworten auf solche Fragen wie oben in den Klammern ergeben die abstrusesten Antworten.
Manchmal habe ich das Gefühl das diese Menschen ganz kurz verstehen was los ist. Sieht man an ihrem Blick. Der ist ganz kurz “klarer”. Irgenwie.
Das muss schlimm ein.
Aber das haben sie ja auch gleich wieder vergessen. Die Leben eigentlich nicht mehr auf diesem Planeten.
Jeder der jemanden mit diesem Problem kennt, wird evtl nachvollziehen können was ich meine. Schlimm auch, wenn man diesen dann nicht vernünftig erreicht. Aber wer aufhören will, muss das wirklich wollen. Eigenmotivation eben. Mit Zwang geht gar nix…. Leider.
Ich hab nix gegen Alkohol in Maßen. Ist aber ein gefährliches Zeug.
Das ist Fakt.










