roter PunktZwanghaft?

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.31. Juli 2006, 19:07 Uhr

Ich hab doch ne Minute gefunden um was zu schreiben. Arbeit lenkt ab. So auch heute. Zum Glück.

Jeden Montag ist Visite. Um das vergangene Wochenende zu besprechen. Was war los? Wie gings ihnen? Gab’s Probleme? …
Da ich am Wochenende gearbeitet hab, bin ich nicht nur, in dem mir zugeteilten, “Bereich” mitgegangen, sondern bei beiden. Aufgabe der Pflege, bei Visite, ist es dem Arzt evtl. zusätzliche Information zu geben, aber auch selbst nachzufragen etc. pp. Am Ende gibt man dann noch ne kurze Einschätzung. War das echt, was der Pat. gesagt hat? Oder hat man etwas anders empfunden. Nur so kommt ein komplettes Bild zustande.
Im Moment haben wir viele “Akute” (Pat., die im Vollbild ihrer Erkrankung, meistens kurz nach Aufnahme, stehen). Das bedeutet, dass im Moment die Hölle los ist. Viele “Psychotiker” (Stationsjargon für menschen die an einer Psychose leiden). Psychosen sind sehr vielfältig. Der Begriff umfasst sehr viele Formen.
Wir haben von jedem etwas. Der eine leidet unter Verfolgungswahn bzw. Verschwörungstheorien. Er vermutet, dass man ihn über den Fernseher beobachtet oder abhört. Wir kommen übrigens alle aus dem “Licht”. Nähere Angaben wollte er nicht machen.
Ein Anderer glaubt, dass es im Internet eine Verschwörung gibt. Beschreibt er diese, wird es so abstrus, dass ich das leider nicht wiedergeben kann. Er schreibt dann Zettel oder Worddokumente, die keinen Sinn ergeben. Gespickt mit computerspezifischen Fachwörtern. In seinem Hirn ist absolutes Chaos. Aber er ist felsenfest davon überzeugt. Leider ist er auch latent aggressiv. Also wenn er in einer bestimmten Situation wäre und jemand bestimmtes (wer, will er nicht sagen) würde ihn reizen dann würde es “krachen”. Macht nachdenklich….
Der Dritte, er hat heute den 1. Platz gemacht, leidet unter Zwängen. Er muss immer sein Zimmer, den Stationsflur, das Stationsbad, den Aufenthaltsraum, also alles aufräumen. Mein Opa war auch zwanghaft, aber gegen das heute, war er absolut harmlos.
Der Pat lag mit 2 weiteren in einem Zimmer. Diese beiden sind die unordentlichsten Menschen, die man sich vorstellen kann. Der eine checkt leider gar nix mehr, Korsakow-Syndrom, und der andere ist etwas älter und seeeehr “eigensinnig”. Die Topzimmermischung.
Der arme Kerl war so gestresst. Er gab sich die Schuld an den gesundheitlichen Problemen seiner Zimmergenossen. Er habe Fehler gemacht, welche könne er nicht sagen. Wir wüssten welche. Aber die anderen beiden würden das nicht verstehen. Klar, der eine weiss nicht was los ist und der andere ist genervt.
Der Zwanghafte liess heute alles raus. Aber so richtig, der redete sich richtig in Rage. Er kann es nicht sehen wenn Sachen rumliegen, oder Stühle nicht rechtwinklig zum Tisch stehen. Im Tagesraum fehlen bei einigen Kartenspilen verschiedene Karten. Die müsste man doch aber vollständig halten (Auf ner Psychiatrie? Haha!). Es war unglaublich was da noch so alles zum Vorschein kam. Tausend Sachen. Was wir jetzt von ihm halten würden, da er nicht geholfen habe. Sonst würde er immer sofort aktiv. Er fühle sich jetzt schuldig. Seine Umwelt sei so “komisch”. Alle Menschen würden so gestelzt reden. Wahnsinn in was für einer Realität der Mann lebt, im Moment.
Er hat dann gleich mal ein Beruhigungsmittel bekommen. Der war so aufgeregt und litt deutlich unter der Situation, dass wir was machen mussten. Er hat jetzt auch ein Zimmer für sich. Mit anderen Leuten ist er momentan voll überfordert. Später gab es noch eine kleine Eskalation der Situation, nachdem der Eine die Tasche des Anderen dem Dritten aufs Bett kippte. Seit dem liegt er alleine ….
Auf der einen Seite wieder eine “witzige”, da abstruse, Situation. Andererseits unglaublich, was im menschlichen Gehirn so alles fehlgeleitet sein kann.

Ich hoffe, ich kann halbwegs bildlich beschreiben, was bei mir auf Arbeit abgeht. Es ist manchmal schwer das sinnvollste rauszufiltern.

ein Kommentar    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: ela am 1.08.2006, 09:25 Uhr

    Ich stelle mir das schwer vor mit zwanghaften Menschen täglich umzugehen, hatte schon ein Problem mit meiner lieben Omi als das Alter den Tribut forderte.
    Als unbeteiligte Person würde ich wohl die Nerven verlieren auch wenn diese Mensche mir leid tun und ich jedem wünsche das man ihm/ihr helfen kann denn so ist das Leben ja nicht lebenswert.

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