Heimat adé
Ich bin in meinen freien Tagen mal wieder in die alte Heimat gefahren. Kopf klar kriegen. Da bin ich einfach mal durch Rudolstadt geschlendert. An der Post vorbei, den Platz, wo das alte Kino war, rechts liegen gelassen, Einbahnstrasse lang bis zum “Bullewar”, an der Deutschen Bank vorbei, dann da wo der alte Fischladen gewesen ist (hat der gestunken!), am Fielmann vorbei, bis zum “Tempo” und noch viiiel weiter. Eigentlich nur noch die 500 m bis zum Ende der Flaniermeile. Is ja auch nich sooo lang. Ganz überschaubar. Dann den Bahndamm zurück.
Wenn ich nachdenke, was für Läden da in der DDR alles waren, bring ich nicht mehr viele zusammen. Vielleicht 4 oder 5. Alles andere ist komplett gelöscht. Auch fühlt sich das, nach fast 10 Jahren, alles “anders” an. Man ist dort eben nicht mehr zuhause. Auch wenns die Heimat ist. Irgendwie ist das Leben dort ganz anders. Früher kannte man jeden mindestens vom sehen. Einmal in die Stadt gelatscht und du musstest 3 Gespräche führen. Heute ertappe ich mich dabei, daß ich immer, auf der Suche nach bekannten Gesichtern, die Gegend scanne. Aber es kommt inzwischen nur ganz selten vor, daß ich wirklich weiß, wer wer ist.
Die Stadt erschien mir früher viel lebendiger. Klar, als Kind sieht man Dinge aus einem ganz anderen Blickwinkel, nicht nur symbolisch gesehen. Meine Kindheit war eigentlich ganz schön. So im Großen und Ganzen. Evtl. belege ich deshalb alles mit einem Schleier aus positiven Gedanken. Aber wenn man mal die Augen schweifen lässt, sind so viele Plätze meiner Kindheit nicht mehr existent. Erschreckend.
Inzwischen wird die 2te von 4 Schulen, die ich besucht habe, abgerissen. Ich war schockiert. Immer mehr verschwindet und sieht ganz anders aus. Da, wo ich meinen Abschluss gemacht hab, steht jetzt ein Kino …. Klasse! Was aus dem anderen Platz wird weiß ich noch nicht. Auch der Friedrich-Jahn-Sportplatz, auf dem wir uns trafen und wo auch mal die Post abging, ist inzwischen platt gemacht worden. Unfassbar. Ist jetzt ein Parkplatz. …
So gehts mir bei vielen Sachen. Plötzlich ist die Straßenführung ganz anders. Einbahnstraßen sind plötzlich keine mehr. Auch immer mehr alte Freunde ziehen weg. Es fehlt immer mehr der Bezug.
Der Lauf der Dinge.
Schade.
Aber trotzdem freut man sich immer wieder, wenn man bekannte Landstriche durchfährt.
Heimat.










