Grundsatz: Hilf den Kollegen
Bei uns im Krankenhaus, gerade in meiner Abteilung, ist es klar das man sich untereinander hilft. Logisch irgendwie. So kann es vorkommen, dass man fremd- oder eigenaggressive Patienten zum Schutz vor sich oder anderen fixieren muss. Dabei gilt der Grundsatz 5:1, sprich, es sollten 5 Leute vom Personal 1 Patienten gegenüberstehen. Für jede Extremität 1 und 1 der fixiert. Personal bedeutet: Arzt, Pfleger, Soz.Pädagogen (Soz.Päd), Psychologen und KrankenpflegeschülerInnen. In der Praxis bedeutet das, dass sich die PsychologInnen und Soz.Päd schnellstmöglich zurückziehen und der Arzt so tut als wollte er ein i.v. Medikament aufziehen. Das heisst, es bleibt nur der “Pöbel” zurück. Aber hey, wofür bekomm ich denn so wenig mein Geld.
Sollte man jetzt eigenständig auf seiner Station das Verhältnis 5:1 nicht hinbekommen, was die Regel ist, wann sind schon mal 5 Kollegen gleichzeitig im Dienst, holt man sich von Nachbarstationen eben Hilfe. Entweder über Notfallklingel oder, wenn es absehbar ist, telefoniert man eben etwas herum. So auch heute.
Nur das der Anrufer in der Aufregung recht schnell und leise sprach und keiner wusste wo er hin soll. So fängt man an die Stationen abzuklappern. Und nirgendwo will einer was von einem Hilferuf wissen.
Hmm, da wird mir immer ein wenig mulmig, wenn ich mir vorstelle das ich das sein kann, der da in der Klemme steckt und keiner kommt mir zu Hilfe. Man hat oft das Gefühl relativ sicher zu arbeiten bis wieder was passiert. Und da ist schon ne Menge passiert. So wird man schon mal gewürgt, getreten, gebissen, geschlagen, mit Stühlen beworfen. mit Blut bespritzt, mit den vulgärsten Ausdrücken belegt usw.. Da ist schon der ein oder andere Kollege böse zu Schaden gekommen.
Und wenn ich jetzt bedenke, das die Ärzte mehr Geld wollen, dies aber woanders im Gesundheitswesen hergeholt werden muss, das meiste Geld in Personlakosten fliesst, wir (Pflegekräfte) die größe Guppe darstellen, wird mir schon ein bissi übel. …
Gerade im Nachtdienst fühle ich mich immer extrem unwohl. Ich mache nur noch mit Pfefferspray Dienst, da wir im Monat nur noch in einer Woche zu zweit sind. Das rotiert dann zwischen den Stationen, sodass man immer zu dritt auf einem Stockwerk ist. Lächerlich wenig.
Übrigens, der Hilferuf heute war zum Glück sehr harmlos und die Pat liess sich am Ende ohne Gegenwehr auf die Behandlung ein. Glück gehabt, … mal wieder.
Wichtig!!!
Alle diese Handlungen sind in 99,9 % der Fälle vom Pat. nicht gewollt oder zumindest nur schwer steuerbar. Diese Menschen sind krank und das wissen wir auch. Es ist nie schön oder witzig oder was auch immer, einen Menschen mit Gewalt an ein Bett zu fixieren. Wer das glaubt hat einen an der Murmel. Die Fixierung ist immer das letzte Mittel, wenn Medikamente oder Gespräche nicht mehr helfen oder vehement verweigert werden. Ich könnte auf solche Massnahmen jederzeit gerne verzichten. Ich habe dabei immer auch Angst und einen Puls von mind. 150 Schläge/Minute. Nur damit hier keine falschen Vorstellungen entstehen.











