roter PunktDer Tod auf Station

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.17. März 2007, 12:03 Uhr

Wir hatten vor ein paar Tagen einen Exitus (fast) auf Station. Sprich, es ist jemand verstorben. Zwar haben wir die Kollegen den Patienten nochmal hergebracht, also messbarer Puls und Atemfrequenz, aber auf der Intensivstation hat er dann das Zeitliche gesegnet. Ich hatte an dem Tag zum Glück frei. Es war aber natürlich im Nachtdienst, in dem wir ja fast immer, also 3 Wochen im Monat, alleine sind. Biste mal schön auf dich gestellt.
Nun ist ein Exitus im Krankenhaus nicht grundsätzlich ungewöhnlich, aber auf der Psychiatrie ja eher selten. Das hat damit zu tun, daß wir aufgrund der unseres “Patientenguts” keine kritischen Fälle mit medizinischen Apparaten auf Station haben “dürfen”. Man weiß ja nie wer wann was manipuliert. Aus welchem (wahnhaften) Grund auch immer. Alles schon vorgekommen. Wenn dann nämlich ein anderer Patient plötzlich ne ganz andere Dosis von nem wichtigen Med. bei dem Schwerkranken einstellt und der daraufhin Probleme bekommt, wirs es mit Sicherheit ne schöne Klage gegen Personal und Klinik geben. Ganz davon abgesehen das es dem Schwerkranken ja noch schlechter geht.
Das wollen wir weiterhin diversen Privatkliniken überlassen. ;)
Auf jeden Fall bringt das mal wieder ein wenig Aufregung auch auf Station. Die Mitpat. sind natürlich geschockt über dieses urplötzliche Ableben der Leidensgenossin. Krank sein verbindet.
Andererseits ist natürlich bei uns auch ein wenig Schock angesagt. Nicht nur bei der Kollegin die live dabei war. Auch mir wird wieder bewußt wie schnell es gehen kann, das man “Good Bye” sagt oder man plötzlich daneben steht. Hut ab vor der noch jungen Kollegin die die Situation diesmal sehr gut gemeistert hat.
Hab ich das Prozedere noch drauf? Ist ja schon etwas her. Wann war eigentlich meine letzte Schulung zu dem Thema?
Wenn ich nur dran denke, mit adrenalinzittrigen Fingern Ampullen aufzubrechen und diese kleine Nadel in die noch kleinere Öffnung zu balancieren, wird mir etwas übel. Oder beim “Drücken”, also dem wirklichen Wiederbeleben, dem armen Kerl auch noch diverse Knochen zu brechen, ja sogar sein Herzbeutel zu perforieren (selten).
Man will ja das Beste für den armen Tropf da tun, der da liegt und sich verabschiedet, aber das is echt nich immer leicht.
Zumindest nicht für mich.

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  1. Kommentar: Flocke am 23.03.2007, 05:02 Uhr

    Ein schwieriges Thema, zu dem ich vielleicht -da selbst mehrfach reanimiert- etwas beitragen kann:

    Grundsätzlich sollte sich Rettungspersonal von der Angst frei machen etwas falsch machen zu können. Die Leute stehen in diesen Momenten unter einem enormen Stress und geben ganz sicherlich ihr Bestes. Eine gebrochene Rippe gehört nunmal zu einer gelungenen Rea dazu (sagte mir mal ein Feuerwehrmann) und ist sicher besser zu verkraften als der Tod ;-)

    Die Rechtsprechung steht hier meines Wissens nach auch aus gutem Grund hinter dem Helfer. Trotzdem: Eine große psychische Belastung ist es sicherlich und ich danke an dieser Stellen allen Helfern, die couragiert genug sind diese Belastung wissentlich auf sich zu nehmen.

    Nichts desto Trotz: Auch Sterben gehört zum Leben dazu und manchmal ist der Tod sogar gnädiger als das Leben.

    Das sollten wir uns alle immer wieder bewusst machen.

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