roter PunktEiner geht noch

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.3. Juli 2007, 16:07 Uhr

Ich hatte ja schon mal vor längerer Zeit über das Korsakow-Syndrom berichtet. Im Moment sind wieder 2 Patienten mit dieser Diagnose auf Station. beide liegen am Gang. Heißt, sie haben zwar ein Bett, aber eben nicht im Zimmer sondern, richtig, am Krankenhausflur. Aufgrund des Kostendruckes baut jede Klinik Betten ab. Das ist aber bis zu den Kranken noch nicht vorgedrungen, denn es kommen immernoch soviele, wie vor der Bettenreduzierung. Also ist logischerweise weniger Platz. Sprich, die Leute schlafen auf dem Flur.
Gerade Pat. mit oben genannter Diagnose sind da sehr dankbar darüber. Endlich genug Platz um sich auszubreiten und immer was/wer da zum beschäftigen. Ganz zu schweigen, das sie so nie zur Ruhe kommen, weil ständig einer vorbeiläuft. Reizabschirmung adé.
Wie ja schon mal beschrieben machen diese armen Menschen ja alle möglichen unsinnigen Sachen. Man “kackt” in die Waschschüssel und “wäscht” danach seine Klamotten drin. Ohne zusätzliches Wasser versteht sich. Oder man schneidet Milchtetrapacks feinsäuberlich auf, nachdem sie gelehrt wurden und füllt sie dann mit Eigenurin auf. Danach versteckt man sie im Fernsehraum hinter den Pflanzen. So zur Lufterfischung. Es dauert ca 1-2 h bis eine durchnittliche Pflegekraft das Versteck erspäht hat. Es würde schneller gehen, wenn nur nicht diese anderen Patienten wären. Die, die ein Zimmer haben.
Sehr gerne verstecken die Leute dann auch mal diverse Essenrationen in verschiedenen Ecken auf Station. Man weiß ja nie wann es wieder was gibt. Das haben sie ja nach ca. 2 Minuten vergessen. Die letzte Mahlzeit meine ich.
Ich erwähne jetzt nicht zusätzlich, daß diese Pat. grundsätzlich nie wissen wo das Klo ist, das sie mal dort hin müssten, wie spät es ist, wo sie sind, wer der mit dem weißen Kittel ist oder warum sie da sind.
Wenn man sie nach dem Grund ihres Aufenthalts fragt, ist es nie der Alkohol. Denn saufen tun sie ja nicht. Früher mal, aber jetzt haben sie ja aufgehört.
Hätten sie das mal früher.
Traurig.
Prost.

PS: Dieser Sarkasmus war geplant. Sind im Grunde arme Sch….

2 Kommentare    ·    hier schreiben
  1. Kommentar: Norman am 3.07.2007, 17:50 Uhr

    Wir haben einen Bewohner, der möchte jeden Tag zur Arbeit- obwohl es seine Arbeitsstelle nicht mehr gibt … er ist davon überzeugt - und wir haben auch das Jahr 2000 … und Morgen ist Sonntag - und Morgen ist Sonntag …

    Also dann … “Prost”

    weil kein Alkohol ja auch keine Lösung ist

    ;-)

  2. Kommentar: Jucken am 27.07.2007, 20:32 Uhr

    Moin

    ja, arme schweine sind es auf jeden fall. aber wärend du dir in deutschland gedanken über ein paar betten machst, ist hier nichtmal toilettenpapier für die patienten vorhanden. es wäre für dich bestimmt echt interessant mal hier bei unserem psychatriehilfswerk rein zu schauen. ich sammel mal kräftig weiter bilder, die ich dir dan mal auf der lan zeigen kann. paraguay ist ein armes land mit 6.000.000 einwohnern, und sie haben eine psychatrie! das ist schon krass.
    erschreckend ist es wie selbstverständlich es für mich in den 1,5 jahren geworden ist auf der strasse “wegrationierte” patienten zu sehen………
    ein glück das es noch freiwillige gibt und leute wie dich, die bereit sind dort zu helfen.

    bjoern

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