roter PunktGefahr im Verzug

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.9. August 2007, 17:04 Uhr

Da berichte ich noch vor kurzem über ne gefährliche Situation in meinem Job und Schwuppdiwupp bin ich selbst in einer. Vielleicht nich ganz so spektakulär, aber ich erzähls trotzdem.
Der Notruf einer Nachbarstation ging bei uns ein. Wie meistens, war dort ein angespannter Pat., der kurz vorm Aubruch stand. Es waren ca 10 Kollegen insgesamt anwesend. Erst wurde noch versöhnlich auf den Menschen eingeredet, doch die angebotene Medikation zu nehmen. Das lehnte er aber konsequent ab. Nach ca. 5 Minuten hin und her stellte er seelenruhig seinen Trolli ab, holte sein Rasiermesser (so eins zum aufklappen, schön scharf) aus der Gesäßtasche und fragte erneut nach Ausgang. Diesmal zog sein Argument und die Tür wurde ihm doch recht schnell geöffnet. Ein Kollege hatte im Hintergrund inzwischen die Polizei angerufen, welche dann mit Blaulicht anrückte. Aber da war er schon draussen. Wir haben gemeinschaftlich beschlossen uns nicht anritzen zu lassen.
Die Polizei hat ihn dann ganz flott wieder eingesammelt und in ein anderes Krankenhaus gefahren. Die können mit sowas besser umgehen. Ist nix für ne gemischte Akutstation.

Der Mensch ist ja noch ruhig geblieben und es ist leider nicht möglich jeden Besucher oder Pat. auf Waffen zu durchsuchen. Aber wenn man mal den gedanken etwas weiter spinnt, was wäre wenn …. Für die paar Kröten aufschlitzen lassen?
Naja, Deutschland befindet sich im freien Fall Aufschwung, das werden wir sicher auch bald merken.

 

roter PunktErstaunlich

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.7. August 2007, 11:41 Uhr

Wozu man ein, gerade von mir geschmiertes, Leberwurstbrötchen alles benutzen kann. Es gibt verschiedenste Verwendungszwecke. Neben essen wohl seit neuestem auch Hande waschen. Direkt am Frühstückstisch. Man benötigt auch kein Wasser. Einfach mit der Wurstseite die Hände bestreichen. Gut, sauberer werden die Hände dadurch nicht, aber der Duft. So frisch nach … Leberwurst.

Ich habs bei mir lieber nicht probiert. Steh mehr auf Mett.

 

roter PunktEiner geht noch

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.3. Juli 2007, 16:47 Uhr

Ich hatte ja schon mal vor längerer Zeit über das Korsakow-Syndrom berichtet. Im Moment sind wieder 2 Patienten mit dieser Diagnose auf Station. beide liegen am Gang. Heißt, sie haben zwar ein Bett, aber eben nicht im Zimmer sondern, richtig, am Krankenhausflur. Aufgrund des Kostendruckes baut jede Klinik Betten ab. Das ist aber bis zu den Kranken noch nicht vorgedrungen, denn es kommen immernoch soviele, wie vor der Bettenreduzierung. Also ist logischerweise weniger Platz. Sprich, die Leute schlafen auf dem Flur.
Gerade Pat. mit oben genannter Diagnose sind da sehr dankbar darüber. Endlich genug Platz um sich auszubreiten und immer was/wer da zum beschäftigen. Ganz zu schweigen, das sie so nie zur Ruhe kommen, weil ständig einer vorbeiläuft. Reizabschirmung adé.
Wie ja schon mal beschrieben machen diese armen Menschen ja alle möglichen unsinnigen Sachen. Man “kackt” in die Waschschüssel und “wäscht” danach seine Klamotten drin. Ohne zusätzliches Wasser versteht sich. Oder man schneidet Milchtetrapacks feinsäuberlich auf, nachdem sie gelehrt wurden und füllt sie dann mit Eigenurin auf. Danach versteckt man sie im Fernsehraum hinter den Pflanzen. So zur Lufterfischung. Es dauert ca 1-2 h bis eine durchnittliche Pflegekraft das Versteck erspäht hat. Es würde schneller gehen, wenn nur nicht diese anderen Patienten wären. Die, die ein Zimmer haben.
Sehr gerne verstecken die Leute dann auch mal diverse Essenrationen in verschiedenen Ecken auf Station. Man weiß ja nie wann es wieder was gibt. Das haben sie ja nach ca. 2 Minuten vergessen. Die letzte Mahlzeit meine ich.
Ich erwähne jetzt nicht zusätzlich, daß diese Pat. grundsätzlich nie wissen wo das Klo ist, das sie mal dort hin müssten, wie spät es ist, wo sie sind, wer der mit dem weißen Kittel ist oder warum sie da sind.
Wenn man sie nach dem Grund ihres Aufenthalts fragt, ist es nie der Alkohol. Denn saufen tun sie ja nicht. Früher mal, aber jetzt haben sie ja aufgehört.
Hätten sie das mal früher.
Traurig.
Prost.

PS: Dieser Sarkasmus war geplant. Sind im Grunde arme Sch….

 

roter PunktSelbstverletzung

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.21. Mai 2007, 21:50 Uhr

Wenn man sich bei einem Krampfanfall durch die eigene Muskelkraft die Schulter bricht, ist das dann eine Selbstverletzung?
So heute passiert, jetzt trägt Patient 3 Wochen einen Verband.
Krass.

Auf der anderen Station einen fast geglückten Suizidversuch gehabt. Gerade noch vom Fensterkreuz geholt.
Keine schöne Zeit gerade.

 

roter PunktSchöner Urlaub

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.4. Mai 2007, 12:26 Uhr

Wenn man mal weit weg von Zuhause ist und der Partner dann dort das “spinnen” anfängt, ist das schon einen Asbach Uralt wert.
So geschehn vor 2 Tagen auf meiner Station. Ein Ehepaar aus den USA hatten sich die obligatorische Europareise im Ruhestand angetan. Sicherlich aber auch, um ihren, in der Nähe stationierten, Sohn zu besuchen. Dieser sieht allerdings voller Zuversicht seinem 2ten Irakeinsatz entgegen. » WEITERLESEN…

 

roter PunktDer Tod auf Station

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.17. März 2007, 12:14 Uhr

Wir hatten vor ein paar Tagen einen Exitus (fast) auf Station. Sprich, es ist jemand verstorben. Zwar haben wir die Kollegen den Patienten nochmal hergebracht, also messbarer Puls und Atemfrequenz, aber auf der Intensivstation hat er dann das Zeitliche gesegnet. Ich hatte an dem Tag zum Glück frei. Es war aber natürlich im Nachtdienst, in dem wir ja fast immer, also 3 Wochen im Monat, alleine sind. Biste mal schön auf dich gestellt.
Nun ist ein Exitus im Krankenhaus nicht grundsätzlich ungewöhnlich, aber auf der Psychiatrie ja eher selten. Das hat damit zu tun, daß wir aufgrund der unseres “Patientenguts” keine kritischen Fälle mit medizinischen Apparaten auf Station haben “dürfen”. Man weiß ja nie wer wann was manipuliert. Aus welchem (wahnhaften) Grund auch immer. Alles schon vorgekommen. Wenn dann nämlich ein anderer Patient plötzlich ne ganz andere Dosis von nem wichtigen Med. bei dem Schwerkranken einstellt und der daraufhin Probleme bekommt, wirs es mit Sicherheit ne schöne Klage gegen Personal und Klinik geben. Ganz davon abgesehen das es dem Schwerkranken ja noch schlechter geht.
Das wollen wir weiterhin diversen Privatkliniken überlassen. ;)
Auf jeden Fall bringt das mal wieder ein wenig Aufregung auch auf Station. Die Mitpat. sind natürlich geschockt über dieses urplötzliche Ableben der Leidensgenossin. Krank sein verbindet.
Andererseits ist natürlich bei uns auch ein wenig Schock angesagt. Nicht nur bei der Kollegin die live dabei war. Auch mir wird wieder bewußt wie schnell es gehen kann, das man “Good Bye” sagt oder man plötzlich daneben steht. Hut ab vor der noch jungen Kollegin die die Situation diesmal sehr gut gemeistert hat.
Hab ich das Prozedere noch drauf? Ist ja schon etwas her. Wann war eigentlich meine letzte Schulung zu dem Thema?
Wenn ich nur dran denke, mit adrenalinzittrigen Fingern Ampullen aufzubrechen und diese kleine Nadel in die noch kleinere Öffnung zu balancieren, wird mir etwas übel. Oder beim “Drücken”, also dem wirklichen Wiederbeleben, dem armen Kerl auch noch diverse Knochen zu brechen, ja sogar sein Herzbeutel zu perforieren (selten).
Man will ja das Beste für den armen Tropf da tun, der da liegt und sich verabschiedet, aber das is echt nich immer leicht.
Zumindest nicht für mich.

 

roter PunktTja, das Leben

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.3. März 2007, 16:26 Uhr

kann so grausam sein.
Wenn der Dienst schon mit digitalem Ausräumen beginnt (Nein, das ist nichts elektronisches, schön wärs.) und mit einem Mensch endet, der dank Leberzirrhose und einhergehender Aszites und ebenfalls prall geschwollen Beinen vor Schmerzen schreit, tja dann, war das Leben wieder besonders grausam.
Diesmal auch irgendwie zu mir.

 

roter PunktRegel Nr. 5

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.5. Februar 2007, 17:32 Uhr

Nein, nich Nr. 5 lebt. Ich meine ne andere Nr. 5. Ich meinte die 5. Regel des House of God. Die sind in der Medizin lebensnotwendig. Hält man sich an diese und weitere Maßnahmen der modernen Medizin, kann eigentlich nix mehr schiefgehen. Dnach verfährt auch grundsätzlich jeder Arzt oder Krankenpfleger, soweit es ihm möglich ist.
So auch letzet Woche bei uns.
Der Patient (1,80 m, 95 kg Kampfmasse), der an einer Schizophrenie leidet, war der Meinung, das, wenn er die Polizei anruft, doch am wahrscheinlichsten der Krankenwagen vorbeischaut. Falsch gedacht. Die kamen doch glatt persönlich vorbei.
Die ankommenden Beamten nahmen seine Sorge von Vulkaniern verfolgt zu werden allerdings auch sehr ernst und boten ihre Hilfe an. Diese besteht grundsätzlich darin, die Pat. mit ein wenig Skepsis, ob des seltsamen Gebahrens der Leute, zu uns in die Klinik zu fahren. Schon mal nen Polizisten nicht als arrogant erlebt? Oder gar hilflos gesehen? Psychiatrieambulanz machts möglich. Aber andere Geschichte.
Auf jeden Fall schlief sich der Pat. erstmal so richtig aus, mit entsprechender Medikation versteht sich. Am nächsten Morgen war er aber der Meinung, das es jetzt mit Krankenhaus genug sei und er wollte wieder heim. Schließlich liefe ja auch noch der Computer zuhause. Und die Wohnung sei offen. … Schlechte Kombi.
Wir konnten ihn natürlich so nicht einfach ziehen lassen und waren uns einig, daß er sicher noch mediziert werden müsste. Als wir das durchzusetzen gedachten schlug uns aber der Pat. die Sachen aus der Hand. … Der gute Saft. Einfach verschwendet.
Sah er aber anders.
Nachdem er in der nächsten Nacht mit Telefonen und Festplatten schmiß, beides hatte er mal vorsorglich mitgebracht, war man grundsätzlich der Meinung das nur eine Pflegeperson in der N8 zuwenig sein könnte. Wer würde die wohl hören, wenn sie bei einem Angriff um Hilfe schreien würde?
Grundsätzlich ne gute Überlegung.
Und da kommt auch schon die 5. Regel ins Spiel.
Da es fast unmöglich ist, jemanden zusätzlich zum Dienst zu reinzuholen, kostet dementsprechend mehr Geld, da nicht freiwillig, verlegt man den Pat. also auf eine Station, wo turnusmäßig 2 Leute im Nachtdienst sind.
Unser Problem gelöst, aber das haben jetzt natürlich 2 andere.

Aber da hört der eine wenigstens, wenn der andere vermöbelt wird.

 

roter PunktMorgens um 4:45 Uhr in Deutschland

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.18. Januar 2007, 07:52 Uhr

Ja neee, nix Sturm, der is noch nich da. Kommt erst im Laufe des Tages.
Um oben benannte Uhrzeit hat mir ein Patient noch ein Geschenk gemacht.
So eben schön kurz vor Feierabend.
Danke an der Stelle nochmal.

Manchmal ist das Leben echt beschissen.

 

roter PunktÜbrigens

Rubrik:  Neulich auf Arbeit...  ·  Autor:  Pfleger M.15. Januar 2007, 11:47 Uhr

Manchmal hab ich echt das Gefühl, daß mich manche Patienten nur verarschen. Ist so ein Bauchgefühl, aber trotzdem muss man jeden Ernst nehmen.
Aber manchmal bin ich mir eben sooo sicher …..

 

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